Hiragana und Katakana sind zwei der drei Schriftsysteme des Japanischen, neben den Kanji. Obwohl man sie heute schon in den ersten Japanischlektionen lernt, entstanden beide vor mehr als tausend Jahren aus chinesischen Schriftzeichen. Ihr Ursprung hängt eng mit der Notwendigkeit zusammen, die chinesische Schrift an die japanische Sprache anzupassen.
Was sind Hiragana und Katakana?
Hiragana und Katakana sind zwei japanische Silbenschriften: Jedes Zeichen steht für einen Laut. Zusammen mit den Kanji bilden sie die Grundlage des japanischen Schriftsystems.
In diesem Artikel konzentrieren wir uns auf ihren historischen Ursprung. Wenn du zuerst verstehen möchtest, worin sich Hiragana, Katakana und Kanji unterscheiden, kannst du unseren Leitfaden zu den japanischen Schriftsystemen lesen.
Der Ursprung des Katakana
Zu Beginn der Heian-Zeit, in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts, studierten buddhistische Mönche und japanische Gelehrte zahlreiche Texte in klassischem Chinesisch. Viele davon standen im Zusammenhang mit dem Buddhismus und mit akademischem Wissen, das aus China nach Japan gelangt war.
Das Problem war, dass klassisches Chinesisch und Japanisch grammatikalisch sehr unterschiedlich aufgebaut sind. Um diese Texte in der natürlichen Reihenfolge des Japanischen lesen zu können, mussten kleine Anmerkungen zwischen den Zeilen ergänzt werden: Lesehinweise, Partikeln, grammatische Endungen oder Markierungen, die halfen, den Text richtig zu verstehen.
Der Platz war jedoch sehr begrenzt. Es war unpraktisch, vollständige chinesische Schriftzeichen in die schmalen Ränder der Manuskripte zu schreiben. Deshalb begann man, nur einen Teil bestimmter Kanji als abgekürzte Form der Anmerkung zu verwenden.
So entstand der Vorläufer des heutigen Katakana. Tatsächlich bedeutet das Wort Katakana so viel wie „fragmentarisches Kana“, weil viele seiner Zeichen aus Fragmenten komplexerer Kanji hervorgegangen sind. Aufgrund dieses praktischen Ursprungs sind die Formen einfacher, gerader und kantiger: Sie sollten schnell und klar als Lesehilfe geschrieben werden können.
Der Ursprung des Hiragana
Hiragana entstand etwas später, ebenfalls während der Heian-Zeit, jedoch in einem ganz anderen Umfeld: im kulturellen und literarischen Leben des kaiserlichen Hofes.
Damals blieb die offizielle Schriftsprache das mit Kanji geschriebene klassische Chinesisch. Es galt als strenge und prestigeträchtige Schreibweise und wurde vor allem von Männern in Verwaltung, Religion und Wissenschaft verwendet. Diese Schrift eignete sich jedoch nicht immer dazu, die japanische Grammatik oder die emotionalen Nuancen von Poesie und Literatur natürlich auszudrücken.
Aus dem Manyōgana, einem System, das Kanji wegen ihres Lautwerts und nicht wegen ihrer Bedeutung verwendete, entwickelte sich nach und nach eine immer kursivere, flüssigere und rundere Schriftform. So wurde zum Beispiel aus dem Zeichen 「安」 schließlich 「あ」, das den Laut a darstellt, und aus 「宇」 entwickelte sich 「う」, das den Laut u wiedergibt.
Diese neue Schriftform wurde besonders mit den privaten Räumen des Hofes und mit der Literatur aristokratischer Frauen verbunden. Deshalb wurde Hiragana auch als onnade, „Frauenhand“, bekannt, im Gegensatz zur offiziellen Kanji-Schrift, otokode, der „Männerhand“.
Um das Jahr 900 hatte sich Hiragana bereits zu einem System entwickelt, das die Laute des Japanischen direkt wiedergeben konnte. Ein besonders wichtiges Beispiel findet sich im Kana-Vorwort des Kokin Wakashū, der ersten großen kaiserlichen Anthologie japanischer Dichtung, die um das Jahr 905 zusammengestellt wurde.
Warum ist es wichtig, Hiragana und Katakana zu lernen?
Hiragana und Katakana zu lernen, gehört zu den ersten Schritten beim Japanischlernen. Bevor man zu den Kanji übergeht, sollte man diese beiden Silbenschriften sicher beherrschen, denn sie erscheinen in praktisch jedem japanischen Text: in Büchern, Schildern, Speisekarten, Manga, Apps, Untertiteln oder Webseiten.
Ihre Geschichte zu kennen, hilft außerdem, die japanische Sprache besser zu verstehen. Hiragana und Katakana sind nicht einfach Alphabete: Sie sind das Ergebnis jahrhundertelanger kultureller Anpassung, des Kontakts mit China und der eigenen sprachlichen Entwicklung Japans.
Bei Khanji School beginnt Japanischlernen damit, zu verstehen, wie die Schrift funktioniert. Denn hinter jedem Zeichen steht nicht nur ein Laut, sondern auch ein Stück japanischer Geschichte.