Das beginnt schon in der Schule. An vielen japanischen Grund-, Mittel- und Oberschulen gibt es kein Reinigungspersonal, das die Klassenräume und Gemeinschaftsbereiche sauber hält. Stattdessen übernehmen wir Schüler das selbst, gemeinsam mit unseren Lehrern.
Putzen gilt dabei nicht als Strafe, sondern gehört zum Alltag. Und wenn man etwas von klein auf jeden Tag macht, wird es irgendwann zur Gewohnheit und fühlt sich völlig selbstverständlich an.
Wie wird die Reinigung an japanischen Schulen organisiert?
Jede Klasse wird in kleine Gruppen aufgeteilt. Jede Gruppe ist für einen bestimmten Bereich der Schule zuständig, zum Beispiel für die Toiletten, das Klassenzimmer, den Schulhof oder die naturwissenschaftlichen Fachräume. Jeden Tag nehmen sich Schüler und Lehrer vor dem Nachhausegehen Zeit, gemeinsam sauber zu machen. Das ist keine Strafe für schlechtes Benehmen. Putzen gehört einfach zum Schulalltag.
Dabei lernen wir etwas ganz Einfaches: Wer selbst sauber macht, versucht auch, weniger Schmutz zu hinterlassen. Weil wir das etwa vom sechsten oder siebten bis zum siebzehnten Lebensjahr fast täglich machen, werden Sauberkeit und Ordnung für uns ganz selbstverständlich.
Was hat das Schulessen damit zu tun?
Auch beim Mittagessen gibt es einen interessanten Einblick in den Schulalltag. In Japan essen die Schüler meist gemeinsam mit ihrer Lehrerin oder ihrem Lehrer im Klassenzimmer. In der Grundschule wird die Klasse dafür in kleine Gruppen von etwa fünf Kindern aufgeteilt, die abwechselnd den Essensdienst übernehmen. Die Gruppen wechseln sich jede Woche ab.
Diese Schüler holen das Mittagessen für ihre Klasse ab. Dieses Schulessen heißt auf Japanisch 給食【きゅうしょく・kyūshoku】. Anschließend ziehen sie weiße Hauben und Kittel an und verteilen das Essen an ihre Mitschüler. Nach dem Essen bringt dieselbe Gruppe die Teller, das Besteck, die Töpfe und die leeren Milchflaschen zurück zur vorgesehenen Sammelstelle.
So lernen wir von klein auf, dass zu einer Mahlzeit auch das Organisieren, Austeilen und Aufräumen gehört und dass wir alles ordentlich für die anderen hinterlassen.
Warum sind diese kleinen Gewohnheiten wichtig?
Für mich liegt der Schlüssel gerade darin, dass es keine außergewöhnlichen Tätigkeiten sind.
Man sagt uns nicht einfach: „Ihr müsst sauber und ordentlich sein“, und belässt es dabei. Wir lernen es durch kleine Handlungen, die wir jeden Tag wiederholen: das Klassenzimmer putzen, auf Gemeinschaftsbereiche achten, das Essen verteilen und danach aufräumen. Sauberkeit und Ordnung lernt man durch Handeln, nicht nur durch Worte. Ich persönlich habe sehr schöne Erinnerungen an dieses System, besonders an das Schulessen.
Auch bei Khanji School lernen wir nicht nur japanische Grammatik. Wir beschäftigen uns ebenso mit Gewohnheiten, Bräuchen und verschiedenen Sichtweisen auf das Leben in Japan.
Häufig gestellte Fragen
Putzen japanische Schüler wirklich ihre Schulen selbst?
Ja. An vielen japanischen Schulen helfen die Schüler täglich dabei, ihre Klassenräume und andere Bereiche der Schule zu reinigen, normalerweise gemeinsam mit ihren Lehrern.
Wird das Putzen in der Schule als Strafe eingesetzt?
Nein. In der Regel gehört es zum normalen Schulalltag und wird nicht als Strafe betrachtet.
Was bedeutet 給食【きゅうしょく・kyūshoku】?
給食【きゅうしょく・kyūshoku】 bedeutet „Schulessen“. In Japan bezeichnet der Begriff insbesondere die organisierte Verpflegung der Schüler mit Mahlzeiten in der Schule.
Warum verteilen die Schüler das Essen selbst?
So beteiligen sie sich aktiv am Alltag ihrer Klasse. Sie lernen, sich zu organisieren, zusammenzuarbeiten, das Essen zu verteilen und nach der Mahlzeit aufzuräumen.
Erklärt das Putzen in der Schule allein, warum Japan als so sauber gilt?
Nein. Dabei spielen viele kulturelle und gesellschaftliche Faktoren eine Rolle. Das tägliche Putzen in der Schule ist nur einer davon. Es hilft jedoch dabei, schon früh Gewohnheiten zu entwickeln, die einen sorgsamen Umgang mit gemeinsam genutzten Räumen fördern.